Geschichte

100 Jahre Gasthaus Forsthof - St. Pankraz im Ultental

Traditionell bilden in unseren Dörfern und Weilern Kirche und Gasthaus den Mittelpunkt der weitverstreuten Höfe. Da in der "Gegend" die Kirche fehlt, kam und kommt dort dem Gasthaus allein diese Funktion zu. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Gasthof Forsthof kurz nach der 1906 erfolgten Erbauung der Fahrstraße ins Ultental errichtet wurde.

1907 befand er sich im Besitz des Johann Hell, von dem er 1912 auf Peter Pertoldi und 1919 auf Paul Ungerer überging. Dieser Paul Ungerer stammte, wie alle Träger dieses Namens, aus Laurein und war gemeinsam mit seinen beiden Drillingsbrüdern mehrere Jahre in Amerika als Waldarbeiter tätig.

Vor dem 1. Weltkrieg wanderten viele Nonsberger aus Not und Mangel an Arbeitsplätzen nach Amerika aus, wo es einige schafften, zum Wohlstand zu gelangen. Von der Gemeinde Brez ist überliefert, dass um 1910 mehr Brezzer in Amerika als in Brez lebten.

Paul Ungerer konnte mit dem in Amerika verdienten Geld das Gasthaus Forsthof erwerben und nach und nach auch einige Wiesen und Weinäcker, sodass auch Kühe gehalten und Wein eingekellert wurde. Der noch bestehende Stall diente darüber hinaus auch zum Einstellen und Austauschen der Pferde für die Fuhrleute und Stellwagen, die Vorläufer der SAD-Busse. Beim "Wirt" gab es darüberhinaus auch eine sogenannte "Monopolstelle", wo Salz und Tabak gekauft werden konnte. Ebenso wurde hier die Post gesammelt bzw. verteilt. Sehr beliebt war die überdachte Kegelbahn, damals eine große Attraktion im Tal.

Neues Leben zog ins Wirtshaus mit der Eheschließung von Paul Ungerer jun. mit Anna Pföstl aus Partschins ein. Anna stammte vom Oberlechnhof, einem der höchstgelegenen Höfe der Partschinser Fraktion Tabland. Als Bergschullehrerin unterrichtete sie in verschiedenen Ultner Weilern, so u.a. am Maraunberg und kam dadurch natürlich auch beim Gasthof Forsthof vorbei.

Die "Forsthofer Wirtin" war über viele Jahrzehnte die Seele des Gasthauses und im ganzen Tal bekannt und beliebt. Viele Jahre lang war sie weiterhin als Bergschullehrerin tätig, auch als sich 1956 und 1959 die beiden Töchter Pauline und Agnes einstellten. Sie war eine Wirtin mit Leib und Seele und arbeitete bis ins hohe Alter von früh morgens bis spät abends.

So konnte sie das Gasthaus gemeinsam mit ihren Töchtern auch nach dem 1977 erfolgten Tode ihres Mannes nicht nur erhalten, sondern auch die notwendigen Erneuerungsarbeiten durchführen, sie baute den 1. Stock zu Gästezimmern und das Dachgeschoss als Wohnung um. Mit ihr ist am 6. Februar 2006 eine allzeit geschätzte Persönlichkeit von uns gegangen. Es ist schade, dass sie den gelungenen Umbau des Gasthauses im Jahr 2008 nicht mehr erleben konnte. Es hätte sie sicherlich sehr gefreut, ihr Lebenswerk fortgeführt zu sehen.

Fast genau zum 100-Jahr-Jubiläum des "Forsthofes" wurde im Sommer 2008 das sehr geschmackvoll in der Tradition des Hauses gestaltete Gastlokal mit Veranda und Spielwiese wiedereröffnet, sodass der "Forsthof" heute mehr denn je wieder eine beliebte Einkehrstätte am Eingang des Ultentals ist.